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Kirchenjahr

Karfreitag

Das dunkelste Kapitel der Menschheit

   Hast du schon mal davon geträumt, Gott zu begegnen?  Welcher Mensch hat sich das nicht schon mal in seinen Tagund Nachtträumen vorgestellt? Ein Mann Namens Mose ist Gott begegnet. Nicht direkt, sondern durch ein Feuer hindurch. Kein Auge kann sich Gott anschauen. Seine wahre Gestalt ist so erschreckend wunderbar, so unbegreiflich, daß unser Gehirn auseinanderfliegen würde.
Gott selbst hat gesagt: "Du kannst es nicht ertragen mein Angesicht zu sehen, denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben" (2. Buch Mose Kapitel 33, Vers20).
Aber aus dem Feuer heraus hat Gott mit Mose geredet. Er bekommt den Auftrag, das Volk Israel aus der Sklaverei zu führen. Mose befürchtet, daß ihm keiner glaubt, darum fragt er Gott: "Wenn ich zu den Israeliten komme und spreche: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt! Und sie mir sagen werden: Wie ist sein Name? Was soll ich dann zu ihnen sagen?" Da sprach Gott zu Mose: " Ich bin der: Ich bin. Dann sprach er: So sollst du zu den Söhnen Israel sagen: "Ich bin" hat mich zu euch gesandt." (2. Buch Mose Kapitel 3, Verse 13 u.14 nach Elberfelder Übersetzung).
"Ich bin", das ist wirklich ein geheimnisvoller Name. Aber wenn du mal näher drüber nachdenkst, ist das der treffendste Name für Gott:
"Er ist". So einfach ist das; auch wenn viele Menschen glauben wollen: Er ist nicht.
Viele Hundert Jahre später tritt ein Mann öffentlich auf, der wundersame Dinge tut und redet. Die Bibel sagt über diesen Mann:
"Er ist der Abglanz der Herrlichkeit Gottes und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort..." (nach Hebräerbrief Kapitel 1, Vers 3).
"Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes...in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist...; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Er ist vor allem, und es besteht alles in ihm" (Kolosserbrief Kapitel 1, Verse1517).
Ihr werdet es schon ahnen: Ich rede von Jesus Christus. "Gott war in ihm", sagt die Bibel "und versöhnte die Welt mit sich selbst." (nach 2. Korintherbrief Kapitel 5, Vers19).
In diesem Jesus von Nazareth wird Gott, den kein Auge anschauen kann, für die Menschen sichtbar.
Als er über diese Erde ging, erwies er sich als Herr über die Naturgewalten, über Krankheit und Tod.
Und er war es auch, der das geheimisvolle Rätsel des "Ich bin" aufdeckte.
Der Herr Jesus sagte über sich:
"Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, den wird nie mehr dürsten" ( Johannesevangelium Kapitel 6, Vers 35).
"Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern er wird das Licht des Lebens haben" (Johannesevangelium Kapitel 8, Vers12).
"Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe" (Johannesevangelium Kapitel 10, Vers 11).
"Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist..." (Johannesevangelium Kapitel 11, Vers 25).
"Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, als nur durch mich" (Johannesevangelium Kapitel 14, Vers 6).
Die obersten Chefs der Juden, die Pharisäer und Schriftgelehrten haben sich so sehr über diesen Jesus geärgert, sie waren so neidisch auf ihn, daß sie nicht erkennen konnten, wen sie da vor sich hatten. Eines Nachts schickten sie eine Truppe aus, die Jesus fangen sollte, denn sie hatten beschlossen, ihn umzubringen  ganz legal  im Rahmen des Gesetzes versteht sich...
Als die schwerbewaffnete Truppe Jesus aufspürt, stellt er sich vor die Meute und sagt: "Ich bin`s, den ihr sucht" (Johannesevangelium Kapitel 18, Vers 5).
Dieser gewaltige: "Ich bin", der schon Mose so erschütterte, hat diese, bis an die Zähne bewaffnete Truppe so erschreckt, daß sie alle zurückwichen und zu Boden fielen.
Keiner, nicht mal die engsten Vertrauten Jesu, begriffen so ganz, wer dieser Jesus ist.

Er ist der Schöpfer. Der Gott, der damals Mose begegnete. Er ist der: "Ich bin". Dieser Gott wurde in Jesus ein richtiger Mensch aus Fleisch und Blut.
Ich muß immer wieder staunen und wundere mich über das, was dieser Gott sich von den Menschen gefallen lassen hat:
Er ließ ein menschliches Gericht über sich ergehen, ohne, daß er sich verteidigte . Er ließ sich auspeitschen, verspotten und mißhandeln. Er ließ sich, ohne sich zu wehren, an ein Holzkreuz nageln.
Es war kein Geist, der keine Schmerzen spürte, sondern ein echter Mensch.
Jetzt drängt sich natürlich die Frage auf: Warum?
Warum ist Gott ein Mensch geworden? Warum hat sich Jesus ermorden lassen? Was ergibt das alles für einen Sinn?
Die Bibel gibt Auskunft:
"Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, daß man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt" (Jesaja Kapitel 53, Verse25).
Leute, ich möchte gerne, daß ihr euch jetzt mal gut konzentriert. Was fügt dem Menschen Leid und Schmerzen zu? Das ist die Sünde. Sie ist dafür verantwortlich, daß sich die Eltern scheiden lassen. Sie ist verantwortlich für alle Kriege auf der Welt. Sie ist verantwortlich für alles, was das Leben auf dieser Erde ungenießbar macht.
Diese Sünde, die von Geburt an in jedem Menschen wohnt, ist der Grund dafür, daß Gott und Menschen ein tiefer Graben trennt.
Das - das steckt also hinter diesem Plan Gottes, ein Mensch zu werden und sich ermorden zu lassen. Gott hat diesen Graben zugeschüttet, indem er deine und meine Sünde an sich selbst gerichtet hat.
Als Jesus am Kreuz mit Tod und Schmerzen ringt, verdunkelt sich der Himmel, so berichtet die Bibel. Die Sonne verliert ihren Schein und die Kräfte des Kosmos geraten ins Wanken. Die ganze himmlische Welt hält den Atem an, als Gott am Kreuz hängt.
Als Jesus dem Tod sehr nahe ist, wird es dunkel in ihm. Er schreit laut auf: "Mein Gott! Mein Gott! Warum hast du mich verlassen?" (Matthäusevangelium Kapitel 27, Vers 46)
Siehste, wird jetzt mancher sagen, also war er doch nicht Gott!
Nee, so einfach kannst du es dir nicht machen mit diesem Jesus.
Schlauere Köpfe als wir haben an dieser Stelle nur verständnislos staunen können: Gott von Gott verlassen! Wer kann es fassen?
Gott ist kein weichlicher Papsi, der es mit unserer Sünde nicht so genau nimmt. Gott kann Sünde nicht in seiner Gesellschaft ertragen.
In diesem Moment, wo Gott sich mit der Sünde der Menschheit beladen hat, muß er sich von sich selbst abwenden.
Hier am Kreuz hat Gott deine Verfehlungen gerichtet. Deine Sünde! Hier wurdest du von Gott verurteilt und getötet. "Wer sündigt, muß sterben," das hat Gott selber gesagt (vergleiche 1.Buch Mose Kapitel 2, Vers17).

"Wer mein Wort hört, und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen" (Johannesevangelium Kapitel 5,Vers 24). Das hat der Herr Jesus gesagt.
Am Rande muß ich mal was erklären:
Vielleicht bist du etwas durcheinandergekommen, als ich sagte, daß Jesus von Nazareth Gott ist. Er hat doch immer von seinem himmlischen Vater geredet und er wird doch auch Gottes Sohn genannt.  Das hängt mit der Dreieinigkeit Gottes zusammen. Was den Menschen als Persönlichkeit ausmacht, das ist sein Leib, seine Seele und sein Geist. Was die Persönlichkeit Gottes ausmacht ist Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Jesus Christus ist Gott, der Vater ist Gott und der Heilige Geist ist Gott. Vielleicht wird die Lutherische Stunde mal näher auf dieses Thema eingehen.
Zurück zu unserem Thema: Durch die Kreuzigung des Schöpfers aller Welten kam die Liebe Gottes zu ihrer vollen Reife und die Bosheit des Menschen zu ihrer vollen Entfaltung. Daß der Mensch Gott tötet, ist das schwärzeste Kapitel der Menschheit. Hier wird sichtbar, was auch du innerlich bist: Ein Mensch, der Gott nicht ertragen kann.  "Weg, weg mit dem! Kreuzige ihn!" (Johannesevangelium Kapitel 19,Vers15).  Das haben die Menschen damals gerufen. Und wir heute  die Menschen des 20. Jahrhunderts  wir hätten ihn genauso ermordet. Wir sind nicht anders, als die Menschen damals.

Gott ist für den sündigen Menschen nicht zu ertragen.  Es sei denn, er glaubt.
Am Kreuz von Golgatha, wo das verfluchte Innere des Menschen sich nach außen kehrt und Gott ermordet, wird Gottes ganze Liebe zu diesen Menschen sichtbar. Während der Mensch hier seinen schwärzesten Bankrott erlebt, erfährt jeder Glaubende die hellste Stunde der Liebe Gottes. - Und diesen Glauben will Gott dir schenken. Dieser Glaube macht dich fähig zu folgendem Gebet: Danke Gott, für die Kreuzigung.

Ronald Willems

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