|
Christus - Gesalbter - erklären. - Öl=Geist Gottes - Salbe=Heilung Cäsarea Philippi - Residenz des Herodes Philippus - Weltliche Macht Man sollte die Ortsangabe
nicht überspringen. Sie will besagen: Es ist hier geschehen, auf unserer Erde, an einem bestimmten Ort, wo es zum ersten Mal gesagt, erkannt und geglaubt wurde - Und zwar an einem Ort, wo Klugheit und Bildung
herrschte.
Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Dieses Christusbekenntnis flattert nicht als eine bloße Einbildung, als Christusidee in der Geschichte der
Menschheit herum. Der Glaube hat sich nicht aus der Entwicklung des menschlichen Selbstbewusstseins ergeben. Sondern es gab einen ersten Tag, einen ersten Menschen, der berufen, erleuchtet, begnadigt war, das zu erkennen und zu
sagen. Jesus bestätigt die Wahrheit dieses Satzes, aber weil er in der Tat der Sohn Gottes ist, kann er nicht eine Aussage über sich selbst machen. Das tun nur die falschen Christusse, die uns in ihrem eigenen Namen Heil
versprechen. Das Christusgeheimnis kann sich nur im Bekenntnis des Jüngers zu seinem Herrn enthüllen. - Dort also, wo Wort und Tat, Erkenntnisund Nachfolge eins sind. Darum kann niemand von sich aus
erkennen, wer Jesus ist. Das Christusgeheimnis bleibt sein Geheimnis. Es bleibt für den Menschen grundsätzlich unzulänglich, es sei denn, dass uns selbst die Frage trifft und auch wir bekennen müssen, wer er ist! Nicht wofür wir
oder andere ihn halten, sondern wer er in Wahrheit ist. Petrus hat keinen Vorgänger, er kann sich nicht an seine Zeitgenossen halten, an das, was „man“ über Jesus sagt. Darum liegt hier die Grenze aller
Wissenschaft. Denn die Wissenschaft kann nur das herausstellen, was jedermann sehen und denken müsste, wenn er sich der mit der Person Jesus beschäftigt. Für sie wird Jesus immer nur „ein guter Meister“ bleiben.
Höher kann der menschliche Verstand nicht gelangen, wenn er versucht, Jesus ethisch, moralisch,psychologisch oder historisch zu begreifen. Hier ist die unüberwindliche Schranke für das, was „man“ von ihm sagt. Es
ist bis heute inhaltlich von bleibender Bedeutung, dass das Bekenntnis: „Du bist der Christus“ sich nicht ergibt aus dem, was die Leute über Jesus sagen. Darum verpackt Jesus seine Frage in das Wort „Was sagen die Leute,
dass der Menschensohn sei. Damit zieht Jesus unsere Blicke genau so herunter auf die Erde, wie die Ortsangabe. Was sagen die Menschen dazu, dass Gottes Wort und Gottes Tun in der Gestalt dieses wahren, wirklichen
Menschen unter ihnen geschieht. Den unsichtbaren Gott können sie leugnen, die künftige Welt Gottes für Phantasie erklären. - Aber dies - die Gegenwart des Jesus von Nazareth - was machen sie
damit? Die ganze Geschichte des Christentums ließe sich von diesem Punkt aus durchleuchten. Unter diesen besagten „Leuten“ würden wir die besten und klügsten wiederfinden. Die Antwort, die Petrus
hier gibt, greift nach der höchsten Möglichkeit, - der prophetischen. Wenn wir im Religionsunterrichtoder in den Kirchen von dem „geschichtlichen/historischen“ Jesus hören, dann ist ein Jesus gemeint, der aus
Menschenköpfen kommt. Ein Jesus der mithilfe des Verstandes erklärbar ist. Wenn die Menschen versuchen, auf dem Umweg über die Geschichte den zu verstehen, der der Ewige - ohne Anfang und Ende aus Hebräer 7,3
ist, greifen sie an Jesus vorbei. Wollen wir also wissen, wer er ist, dann muss das geschehen, was hier dem Petrus geschieht. Jenseits der Schranken des Begreifbaren liegt seine Wahrheit. Wie die Erscheinung
des Christus in dieser Welt ohne Beispiel ist, so kann uns auch die Erkenntnis „wer“ er ist, nur auf eine direkte Offenbarung von Gott persönlich zuteil werden. „Selig bist du, Simon, denn Fleisch und Blut haben
dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“ Diese Erkenntnis ist ein Geschehen, das weit über das hinausgeht, was mit unserem menschlichen Bewusstsein begreifbar ist. Jetzt sind wir an einem Punkt,
wo es wirklich spannend wird: Der an Jesus Glaubende nimmt Teil an seinem Wesen. Das heißt: Er wird konfrontiert, mit Dingen, die sein ganzes Weltbild umstoßen. Lesen: Matth 14, 22-33 Man muss über eine
absolute Tiefe hinweggerissen werden. Man muss die Bodenlosigkeit unter den eigenen Füßen spüren, wenn man auf Jesus Frage die rechte Antwort finden will. Man hat nichts, woran man sich halten kann, als eben seine Hand und
sein Wort, das uns aus allen Zweifeln reißt. Die beiden Ausdrücke „Menschensohn und Gottessohn“ deuten an, was das Wesentliche ist. Nämlich dass in diesem einen Menschen Gott selbst redet, handelt und erscheint.
Und damit ist auch klar, dass es nicht um eine Vorstellung, eine Auffassung, ein Bild, einBegriff oder eine Denkform von Jesus geht, sondern um die Gegenwart des lebendigen Gottes auf dieser Erde. Das ist der Sinn
des Petrusbekenntnisses: Er erkennt den einen allmächtigen Gott in Jesus. Er sagt in seiner Art, was bei Johannes heißt: Er wurde Fleisch und wohnte unter uns. Es ist ein Wunder, dass der verstandgesteuerte Mensch in
seiner angeborenen Blindheit für Gott erkennen und sagen darf: „Du bist Christus“ - Gottes Wahrheit in Menschenmund! Petrus ist der erste Mensch, in dessen Herz und Mund die beiden Worte „Jesus der
Menschensohn“ und „Christus, der Gottessohn“ ein Wort wurden: Jesus Christus. Das mag wohl tausend oder Millionenfach wiederholt worden sein. Aber dieses eine und erste Mal kann nicht wiederholt werden. Für
den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance. Diesen „Felsen“ soll niemand verrücken noch versetzen. Er soll stehen und bleibenan seinem Platz und niemand soll und niemand kann ihn durch die Zeit hindurch bewegen,
wie es mancherorts in dieser Zeit zu tun versucht wird: _ Nur in Beziehung zu Jesus Christus hat Petrus seine Stellung. Als Erster aller Zeugen - und nicht als sichtbares Haupt auf
Erden. Abschließend noch ein kurzes Wort zu den „Schlüsseln“. Es hängt mit dem vorangehenden zusammen. Nicht allein der Papst, ein Priester oder ein Pastor, sondern Jeder gläubige Christ ist im
Besitz dieser Schlüssel. Dein Binden und Lösen soll so beschaffen sein, dass es den himmlischen Trost, die Gewissheit der Gnade Gottes in sich trägt. Ja, Paulus vergleicht die Christen in seinem Brief an die
Philipper mit „leuchtenden Himmelsgestirnen“, an denen sich in Not geratene Lebensschiffchen orientieren können. Wo immer du diese Schlüssel gebrauchen wirst, soll es so sein, dass die Menschen wieder Gott
lieben und fürchten können. Sie sollen nicht auf dich sehen und dein Amt - es ist nämlich gar nicht deins - sondern auf Gott und sein Vermögen. Der Himmel soll vor ihnen zugehen; vor den Satten und
Gerechten, den Stolzen und Moralpredigern - Und der Himmel soll sich auftun vor denen, die es nicht erwarten und nicht glauben können, dass sie - gerade sie - die Verlorenen und
Angefochtenen, die Gottlosen und die Sünder um Jesus Christus willen die Gerechten und Erlösten sind. So läuft das bei Gott. Das, was Du mit diesen Schlüsseln anfängst, soll Erde und Himmel zusammen
bringen. Das Wort, das du sagst soll so sein, dass der, der ihm glaubt es weiß: Himmel und Erde werden vergehen, aber dieses Wort von Jesus Christus wird nicht vergehen. Dazu macht dich Pfingsten - sprich der
Geist Gottes fähig Das Wort von Jesus Christus, wo sich Himmel und Erde treffen, das richtet und rettet in Ewigkeit. Es richtet, weil es wie Feuer in deinem Herzen brennt Es rettet, weil deineSeele
dort zur Ruhe kommt, wie ein Kind an der Brust seinerMutter. Das Wort von Gott richtet um zu retten - und nur um zu retten.
Hans Joachim Iwand, Predigtmeditationen
|