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Lehre

“Du musst dich für Jesus entscheiden”

In vielen christlichen Kreisen hat der Gedanke der “persönlichen Entscheidung” einen großen Stellenwert. Und kaum einmal wird es gewagt, diese Art der Verkündigung in Frage zu stellen.
Stellen wir uns einmal ganz nüchtern vor Augen, was dies im wörtlichen Sinn bedeutet:

Mit einer persönlichen Entscheidung   kann ich mich zu - oder abwenden. Ich bin an dieser Stelle Herr meiner selbst und entscheide in freiem Willen. “Ich wende mich zu!“ Wer wendet? Ich! Also bin ich hier das Subjekt, der Handelnde.Wen wende ich? Mich! Also bin ich auch das Objekt, der Behandelte bin ich. Das bedeutet fraglos: Ich kann über mich nach Belieben verfügen. Ich habe mich an der entscheidenden Stelle ganz im Griff. Ich stehe mir selbst voll zu Gebot und zur Verfügung. Was heißt das anderes als: Ich bin ganzer Freiheit mein eigener Herr!? Ich bin „Herkules am Scheideweg“! - Da ist nichts mehr von Versklavung unter der Sünde, nichts von „die Sünd hat mich besessen“. Wer sich so selbst in der Hand hat, sich so nach Wunsch hin - und abwenden kann, der ist  -  die Konsequenz ist unausweichlich  -  sein eigener Erlöser. Angesichts des angebotenen Heils wird er zum strahlenden „Selbstversorger“. (Siegfried Kettling)

“Ich bin entschieden...!”...trifft eher die Wahrheit des Evangeliums. Natürlich ist es die tägliche Vorraussetzung für ein Leben “im Glauben” entschieden Christ zu sein. Doch der Handelnde an mir ist immer Gott. Sein Heil in Christus als “persönliche, menschliche Entscheidung” darzustellen ist ein Raub der Ehre Gottes eine Verkennung des Kreuzes und eine Verleugnung der Wirksamkeit des Heiligen Geistes. Der Mensch ist von Natur aus “tot in Sünde und Übertretung” (Eph 2,1). Zu geistlichen Handlungen (zu denen auch die Bekehrung gehört) wird er erst fähig durch ein Wunder der Schöpfertat Gottes. (Hesekiel 37 /Jeremia 31,18 / Mt 11,27 / Römer 10,17) “So liegt es nun nicht an jemandes Laufen oder Wollen, sondern an Gottes Erbarmen” (Röm 9,16). (hierzu auch Röm 9,14ff)

Heil und Heiligung ist nicht eine “Entscheidungssache” von Fleisch; so als gäbe es im Menschen noch einen unverdorbenen Rest, der nicht der Erlösung bedarf. Heil und Heiligung sind (Toten-)Erweckung.

Das Evangelium unterliegt nicht dem Gesetz der freien Marktwirtschaft. Die Botschaft vom Kreuz ist kein Angebot. Gott handelt am Sünder nicht auf Nachfrage. Erweckung ist kein “Himmelschlussverkauf”!

Wer hier die Geister nicht klar unterscheidet, der stellt das Bekenntnis des 3. Glaubensartikels in Frage:  „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann, sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, ...erleuchtet, ...geheiligt, ...und erhalten.“ Das  ist des Christen Glaubensbekenntnis: Ich glaube, dass ich ( von mir aus) nicht glauben kann! Wer das bekennt, bekennt damit “Die Gnade allein!”

Ronald Willems

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weiterführender Link zu diesem Thema:

Unfreier Wille
Ein Aufsatz von Siegfried Kettling über die Versklavung des menschlichen Willens durch die Sünde.

Für Luther ist gerade das innerste Zentrum (Herz, Gewissen) längst vom Feind erobert, ja zur Kommandozentrale des Satans umfunktioniert. Gerade in seiner Personenmitte ist der Mensch versklavt, vom „arg bösen Feind" geradezu "besessen". Eben dies meint das Stichwort unfreier Wille.

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