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Lehre

Gerecht durch Glauben oder Werke?

Paulus in Gal 2,16: “Weil wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes, denn durch Werke des Gesetzes wird kein Mensch gerecht.”

Jakobus 2,24: “So seht ihr nun, dass der Mensch durch Werke gerecht wird , nicht durch Glauben allein.”

Diese Bibelstellen stehen in scheinbarem Gegensatz zueinander. Doch wir werden uns schnell darüber klar, dass sie sich einander ergänzen:

Seit dem Gottesdienst des Kain ist es die größte Lust des religiösen* Menschen, Gott mit mit dem zu nahen, was er sich im Schweiße seines Angesichts abringt. Der religiöse Wahn will keine Gnade. Er will sich seine eigene Gerechtigkeit erwerben um mit dieser hart erarbeiteten “Heilspille” vor Gott erscheinen zu können. Das Kreuz Christi muss vergoldet werden, sonst kann es nicht zum Heil gereichen. - Christus und mein Bemühen - anders darf es nicht sein.        

 In diesen verqueren Geist hinein lehrt Paulus, dass durch das Gesetz nur Verurteilung und Tod kommt (Römer 7). Werke, die sich einen Platz im Himmel sichern wollen, verschmäht Gott - wie das Opfer Kains. Es muss das Blut eines Gerechten, Sündlosen fließen, um Gott zu versöhnen. Das ist Jesus Christus. Allein Glaube an ihn und sein Opfer macht den Menschen vor Gott gerecht.  - Um hier religiösen Blüten zuvor zu kommen - Der Glaube ist nicht eine menschenmögliche Vorbedingung, um vor Gott gerecht zu werden, sondern er ist die Art und Weise, wie Gott uns sein Heil schenkt. Der Glaube kommt von Gott - durch sein Wort (Römer 10,17). Anders ist unerschütterliche Heilsgewissheit kaum möglich, ohne sich selbst zu belügen.

Jakobus wehrt einem anderen Geist.

Es ist streckenweise beschämend, mit welcher “Frömmigkeit” wir - Sie und ich -  über das unsägliche Leid in dieser Welt hinwegleben - hinwegglauben - hinwegbeten!  “Wenn ein Bruder oder eine Schwester Mangel hätte an Kleidung und an der täglichen Nahrung und jemand unter euch spräche zu ihnen: Geht hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch!, ihr gäbet ihnen aber nicht, was der Leib nötig hat - was könnte ihnen das helfen?” (Jak 2,15.16) Selbst wenn wir von unserem Reichtum gäben, was wir übrig haben (wenn wir es tun), was tun wir Besonderes? - Aber Not teilen, Bedrängnis teilen - das kostet mehr, als wir von Natur aus zu geben bereit sind - insbesondere für fremde Personen. Dazu bedarf es des Glaubens, den Gott schenkt.

Dieser Glaube wird in der Welt auffallen. Die Werke, die nur der Glaube in uns wirkt, bestätigt die Echtheit unseres Glaubens. Der Glaube kann nicht ohne Werke sein. Glaubens-Werke sind das Kennzeichen göttlichen, ewigen Lebens in uns. So, wie wir uns durch unseren Atem als leiblich lebendig erweisen, so erweist sich der Glaube als der von Gott geschenkte durch seine Werke. Denn “Gott ist es, der in uns wirkt, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.” (Phil 2,13)  - Und das mit großer Macht und Schönheit.

Ronald Willems

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Worterklärung

Religion =

(lat:zurück(ver)setzen) meint das menschliche Bemühen, die Kluft zwischen Gott und Mensch von sich aus zu überwinden. - Darum ist das Christentum in wörtlichem Sinn keine Religion (woran eine Menge Christen dennoch arbeiten), denn Gott selbst hat die “Scheidung zwischen Gott und Mensch” durch Jesus Christus 100% überwunden.  Selbst die Bekehrung ist Wunder der Schöpfertat Gottes (Hesekiel 37 /Jeremia 31,18 / Mt 11,27 / Römer 10,17)
Ludwig Feuerbachs These (=Leitsatz) lautete, alle Religion sei ein egoistisches, ein gerade nicht theozentrisches  (=Gott in den Mittelpunkt stellend), sondern anthropozentrisches (=Den Menschen in den Mittelpunkt stellend) Unternehmen: Der Mensch suche sich seine Sehnsüchte (etwa das Verlangen nach einem Leben nach dem Tod) auf dem raffinierten Umweg über die „Gottesprojektion“ (=Abbild) zu erfüllen. Wohl diene er „Gott“, bete, opfere, aber nur, damit dieser „Gott“ ihm zu Willen sei. So sei der Mensch mit seinem Begehren, mit seinem Eudämonismus (=Glückseligkeit als treibende Kraft und Ziel des Lebens), Anfang, Mitte und Ende aller Frömmigkeit. „Gott“ sage man, aber man meine sich selbst! Das ist im philosophischen Gewand die alte Frage des Satans: „Meinst du, dass Hiob umsonst (d.h. ohne egoistische Berechnung) Gott fürchtet? (Hiob 1,9), dass er wirklich Gott meint, wahrhaft Gott GOTT sein lässt?“
Luther hat sich in seiner Römerbriefvorlesung (1515/16) dazu geäußert: Er spricht von Menschen, die Gott lieben „mit der Liebe sündlicher Begier“, nämlich „um ihres Heiles und um der ewigen Ruhe willen oder um der Hölle zu entgehen, d.h. nicht um Gottes, sondern um ihrer selbst willen“ (Mü E II, Römer S. 301). Ganz anders ist es bei den Menschen, die Gott mit jener wahren Liebe zugetan sind, „die nicht von Hause da ist, sondern allein vom Heiligen Geist kommt.

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