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Ich wende mich an Mitmenschen, die unter Einsamkeit leiden, und an
jene, die einsame Menschen kennen. Es gibt Menschen, die haben sich entschlossen, allein und einsam zu leben, weil sie von anderen verletzt und enttäuscht wurden. Und es gibt Menschen, die unfreiwillig
in Einsamkeit geraten sind; beispielsweise durch eine Krankheit oder den Tod des Ehepartners. Und es gibt noch eine Menge anderer Gründe, die Menschen einsam werden lassen.
Eine Zeitlang kann Einsamkeit helfen, sein Leben zu überdenken und bestenfalls sogar Gott zu begegnen. Die Bibel berichtet oft von Menschen, die Gott in der Einsamkeit für neue Aufgaben zugerüstet hat.
Im 1. Buch der Könige, Kapitel 19 wird berichtet, dass der Gottesmann Elia, ein Prophet, mutlos und müde geworden war. Seine Gegner wollten ihn nämlich
töten. Da überkam Elia Furcht und er lief um sein Leben. Er floh eine Tagesreise weit in die Wüste, setzte sich unter einen Wachholder und wünschte sich, zu sterben.
Das soll nun einer verstehen! Er läuft denen davon, die ihm nach dem Leben trachten und wünscht sich, zu sterben. Nein, ich glaube nicht, dass er wirklich sterben wollte. Er war einfach nur müde
und mutlos. Was Elia jetzt braucht? Er braucht neue Motivation, neuen Mut, neue Kraft. Gott führt ihn in die Einsamkeit, um ihm dort zu begegnen. Elia findet neue Kraft.
Bald darauf begegnet er einem Menschen, der ein noch größerer Prophet als Elia werden sollte seinem Nachfolger Elisa.
An diesem Beispiel können Sie merken: Einsamkeit kann zu einer Quelle neuer Kraft und neuen Mutes werden. Doch Einsamkeit kann auch zu einem Zustand
erwachsen, in dem man sich selber leer-lebt. Die Zahl derer, deren Seelen von Einsamkeit geplagt werden, mehrt sich täglich. Und nicht nur alte Menschen, deren Lebenspartner starben, sind betroffen. Die Kontaktanzeigen in den
Zeitungen sprechen Bände. Einsamkeit frisst Menschen auf. Einsamkeit sondert den Menschen ab, der doch zur Gemeinsamkeit geboren ist. Man kann Einsamkeit mit einem Raubtier vergleichen, das ein Herdentier reißen
will. Es sondert das Tier von der Herde ab, und springt ihm an die Kehle. Ja Einsamkeit kann einen Menschen zerstören. Sie lässt das Herz tausend
Sehnsüchte befallen, sie würgt die Seele mit den lächerlichsten Gelüsten und lässt Gedanken wie Dornengestrüpp im Hirn wachsen. Einsamkeit macht sich über haltlose Seelen her und bevölkert das Herz mit
Trugbildern. Sie lässt den Menschen Teufel sehen, wo keine sind und verspricht Sinn, wo keiner ist. Einsamkeit kann einen Menschen zur Würdelosigkeit verkommen lassen, bis er sich damit abfindet, bis er resigniert.
So mauern sich manche einsame Menschen immer mehr in die Isolation ein, indem sie Kälte um sich her ausbreiten. Was bleibt, ist ein Mensch, der sich nur noch mit seinem Haustier und mit dem Fernseher versteht.
Die Bibel berichtet im 5. Kapitel des Johannesevangeliums von einem einsamen Menschen. Er ist schon seit 38 Jahren gelähmt. Da kommt eines Tages Jesus
zu ihm und spricht ihn an: "Willst du gesund werden?" (Vers 6). Ist das nicht seltsam ? Meist sind doch die Kranken zu Jesus gekommen oder gebracht worden. Sie haben doch Jesus um Genesung gebeten. Doch hier
spricht der Herr Jesus den Kranken an. Das ist ungewöhnlich. Und was fragt er ihn: "Willst du gesund werden?" Ja, was ist das für eine Frage!
Da liegt einer seit 38 Jahren krank. Das ist doch klar, dass er gesund werden will. Den braucht man doch nicht lange fragen oder? So ungewöhnlich wie die Frage des Herrn Jesus, so verwirrend ist die Antwort
des Gelähmten: "Herr, ich habe keinen Menschen..."(Vers7). Das hat doch der Herr Jesus gar nicht gefragt. Er hat den Kranken gefragt, ob er gesund werden will und nicht, ob er jemanden hat.
Der Gelähmte spricht hier aus, was wirklich sein großes Problem ist: Einsamkeit. Sein Mund hat geredet, was sein Herz bewegt. Der Gelähmte hatte sich in sein Geschick ergeben. Einsamkeit quälte sein Herz
mehr, als seine Behinderung.
Und mitten in dieser Resignation ruft die Stimme des Gottessohnes den Willen zur Genesung hervor.
Was hat Ihre Einsamkeit an Wünschen und Sehnsüchten begraben? Was ist in Ihnen erstorben? Haben Sie sich in Ihre Einsamkeit ergeben? Ist Ihr Wille zur
Genesung erstorben? Sind die geheimen Schreie Ihres Herzens verstummt? Sitzen Sie mit einem leeren Herzen, mit einer stummen Seele vor dem Fernseher? Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr?
"Willst du gesund werden?" Diese Frage Gottes dringt bis ins Zentrum des Schmerzes vor. Diese Frage durchbricht die Mauer der Kälte, die Sie umgibt.
Diese Frage durchdringt Ihre Einsamkeit. Wenn Ihr Herz diese Frage hören kann, ist die Genesung von der Einsamkeit nicht weit. Darum, liebe Hörerin, lieber Hörer, fassen Sie neuen Mut. Gestatten Sie ihrem
Herzen, sich auszuschütten im Gebet. Ich weiß: Einsamkeit macht das Herz hart. Und wenn Gott so ein hartes Herz aufbricht, dann kann das wehtun, dann können Tränen fließen. Doch sie werden
sich zu Freudentränen wandeln. Denn dass Traurigkeit in Freude umgewandelt wird, verspricht Gott in seinem Wort ( vgl. Johannesevangelium Kapitel 16, Vers
20). Nun, den Gelähmten hat der Herr Jesus geheilt. Er sagte zu ihm: "...nimm dein Bett und geh!..." (Vers 8b) . "Nimm dein Bett und geh!" Und jetzt fallen mir die ein, die an ihr Bett gefesselt
sind. Kann man denn auch zu denen sagen: "Nimm dein Bett und geh!"? Ich glaube ja. "Nimm dein Bett und geh" kann ja auch heißen: Nimm dein Kreuz
auf dich und folge Jesus Christus nach! (Vgl. Matthäusevangelium Kapitel 16, Vers 24).
Wenn Gott Sie aufrichtet, wenn er Ihre Einsamkeit und Ihre Traurigkeit in Freude verwandelt, was wollen Sie dann damit anfangen?
Wenn sie das, was Gott Ihnen schenkt, nur für sich selbst verbrauchen, dann dauert es nicht lange, und die Einsamkeit ist wieder da. Einsamkeit ist nichts anderes, als das "leben aus sich selbst und für sich selbst
." Die Grundeinstellung des Glaubenden beschreibt die Bibel so: "Niemand suche das Seine, sondern was dem anderen dient" (1.Korintherbrief Kapitel 10, Vers 24).
Und genau das ist es, was alle Einsamkeit durchbricht. Diese Ermunterung, nicht mehr auf sich selber schauen zu müssen, ist die rechte Medizin für alle, die unter Einsamkeit leiden.
Sind Sie einsam, weil Sie ans Bett gefesselt sind? Beten Sie für andere! Sind Sie einsam, weil sie keiner besucht? Besuchen Sie jemanden, der sich nach Gesellschaft sehnt.
Sind Sie einsam, weil sie keiner mag? Fangen Sie an, andere zu mögen. So könnte ich lange fortfahren, doch sicher haben Sie verstanden, wo das Problem liegt.
Das Wegschauen von sich selber hin zum Nächsten das fällt uns so schwer. Ich kenne jemanden der ins Grübeln kommt, wenn er gefragt wird: Wie geht`s?
Oft antwortet er: Ich weiß nicht ich glaube, ganz gut. Ich habe ehrlich gesagt lange nicht mehr darüber nachgedacht, wie es mir geht.
Liebe Hörerin, lieber Hörer, fassen sie Mut, von sich selber weg auf Christus zu schauen. Er wird Ihnen einen Weg zeigen, der Sie aus der Einsamkeit führt. Er
wird Ihnen Menschen zeigen, die Ihre Fürbitte und Ihre Hilfe brauchen. Ja, wäre das denn nichts für Sie? Ein neues Ziel, ein neuer Inhalt für Ihr Leben? Egal, ob Sie an Bett, Rollstuhl oder Krücken gefesselt sind.
Ach, lassen Sie sich von dem Herrn Jesus herausrütteln aus der Ergebung in Ihr Geschick. Lassen Sie durch sein Wort Ihren Willen zur Genesung wecken.
Gott hat versprochen, uns zu tragen, bis die Jahre unser Haupt grau färben. So steht es beim Propheten Jesaja im 46. Kapitel. Gottes Versprechen und das von ihm geschenkte Vertrauen darauf ist das
einzige Kapital, das wir mit ins Grab nehmen können.
Ronald Willems
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